Strategie

Unternehmensnachfolge bei kleinen und mittelständischen Unternehmen

Kaum ein Thema kann für kleine und mittelständische Unternehmen so immense Auswirkungen haben wie ein Wechsel in der Führungsspitze. Wird die Nachfolge nicht früh genug anvisiert oder droht beispielweise nach einem Todesfall eine Vakanz, stehen selbst wirtschaftlich gesunde Firmen plötzlich vor existenziellen Problemen.

Doch auch bei einer akribischen Planung der Regelung der Unternehmensnachfolge drohen negative Ergebnisse.

Um mögliche Fehler bei diesem Prozess zu vermeiden, sind gute und von langer Hand vorbereitete Strategien vonnöten. Ein systematisch und strategisch durchgeführter Prozess der Unternehmensnachfolge legt zudem die Basis für eine profitable Zukunft. Bereits bei den ersten Planungen – die idealerweise mindestens 12 Monate vor dem Wechsel beginnen – sollten auf dieses Szenario spezialisierte Experten zur Rate gezogen werden. Diese Zusammenarbeit ist beispielsweise wichtig, um möglicherweise entstehende emotionale Aspekte von objektiver Seite aus betrachten zu können. Zudem können neutrale Meinungen die Entscheidungsfindung zugunsten eines Nachfolgers positiv beeinflussen.

Verschiedene Möglichkeiten kommen bei der Unternehmensnachfolge in Frage

Während der Planungsphase sollte zunächst die aktuelle Situation analysiert werden. Ein Exposé sollte genau definieren, wie die Firma derzeit im Wettbewerb platziert ist. Zielsetzungen für den Ablauf der Unternehmensnachfolge müssen ebenso wie ein Zeitplan aufgestellt werden. Erst nach diesen Vorarbeiten ist es ratsam, einen geeigneten Nachfolger auszuwählen. Hierbei können verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen werden:

  • Der Nachfolger an der Spitze des Unternehmens wird intern gefunden. Ideal wäre in diesem Fall ein Mitarbeiter, der bereits seit längerem in die Arbeit der Geschäftsführung involviert ist.
  • Der Nachfolger wird extern ermittelt – diese Variante würde auch einen Verkauf des Unternehmens miteinkalkulieren.
  • Oftmals wird die Firma zudem von Familienmitgliedern bzw. Verwandten weitergeführt.

Grundsätzlich gilt, dass die Regelung der Unternehmensnachfolge exakt auf die jeweilige Firma und die aktuelle Situation zugeschnitten sein sollte.

Im Hinblick auf die Steuerangelegenheiten der Unternehmensnachfolge sollte zudem ein Wirtschaftsprüfer hinzugezogen werden. In diesem Zusammenhang müssen kleine und mittelständische Unternehmen mit weitreichenden Steuerforderungen rechnen. Neben der Einkommenssteuer sind je nach Form der Eigentumsübertragung zumeist die Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie die Grunderwerbsteuer zu entrichten. Problematisch bis existenzbedrohend könnte es werden, wenn die geforderten Steuern aufgrund der finanziellen Lage der Firma nicht oder nur schwerlich geleistet werden können. Dennoch ist es nicht empfehlenswert, Steueroptimierung um jeden Preis zu betreiben.

Ist der Nachfolger gefunden, stehen Vertragsverhandlungen an

Ist die gewählte Strategie in trockenen Tüchern, steht die Phase der Umsetzung an. Der oder die Unternehmensnachfolger sollten nun – sofern dies nicht bereits geschehen ist – angesprochen werden. Sollte der Nachfolger nicht aus der nächsten Familien-Generation oder zumindest dem unmittelbaren Umfeld der Firma stammen, stehen nun umfangreiche Vertragsverhandlungen auf dem Programm. Nicht nur der eigentliche Kaufvertrag wird ausgehandelt, auch das Unternehmen muss Einblick in seine Lage gewähren und alle Unterlagen offen legen.

Sind die oftmals langwierigen Vertragsverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen, schließt sich nun die Übergangsphase von der alten auf die neue Unternehmensführung an. Falls ein Familienmitglied das Ruder übernimmt, bleiben nicht selten die Strukturen innerhalb des Unternehmens unangetastet und gewohnte Abläufe werden beibehalten. Bei einem völlig neuen Eigentümer der Firma könnte hingegen eine Phase des strategischen Umbaus einschließlich einer Neuorganisation anstehen. In diesem Falle ist besondere Vorsicht geboten, da bestehende Geschäfts- und Kundenbeziehungen weiterhin gepflegt werden sollten.

Bei der Information der Mitarbeiter mit offenen Karten spielen

Eminent wichtig ist auch die Art und Weise sowie der Zeitpunkt, wann die Mitarbeiter über die Regelung der Unternehmensnachfolge informiert werden. In diesem Zusammenhang sollte von Anfang an mit offenen Karten gespielt werden. Lässt man die Belegschaft zu lange im Unklaren, wirkt sich dies negativ auf das Betriebsklima und letztlich auch auf die Produktivität aus. Keinesfalls sollten Mitarbeiter Details über die Neuorganisation zuerst aus der Zeitung erfahren.

Bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist noch immer eine Art „Tabuisierung“ der Nachfolgeregelung zu beobachten. Informationen werden zurückgehalten, eine strategisch unbedingt notwendige Planung wird erst gar nicht in Angriff genommen. Dies schadet den Firmen jedoch gleich auf mehreren Ebenen. Resümierend lässt sich darum festhalten, dass die richtige Strategie zur Regelung der Unternehmensnachfolge unabhängig von dem ausgewählten Nachfolger die beschriebenen Faktoren berücksichtigen muss.

Gelingt dies, können Unternehmen mit einer guten Nachfolge-Strategie bei Kunden und Belegschaft viele Pluspunkte sammeln und volkswirtschaftlich gestärkt aus dem Prozess hervorgehen.


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