Mobile Payment – Zukunftsmusik oder schon tägliche Praxis?
Mit dem Mobiltelefon ist man nicht nur immer und überall erreichbar, das Handy ist mittlerweile zu einem mobilen Assistenten geworden. Unterwegs Termine speichern, E-Mails checken oder Musik hören – alles kein Problem.
Warum das Handy also nicht nutzen, um den Latte Macchiato im Café oder die Hose im Jeans-Store zu bezahlen? Seit Jahren prophezeien Experten, dass das mobile Bezahlen kurz vor dem Durchbruch steht. BusinessVALUE24 hat mit dem Leiter der Unit „Mobile Monetization“ im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V., Marcel Pirlich, über status quo, Chancen und Möglichkeiten des Mobile Payment gesprochen.
BusinessVALUE24: Was versteht man unter Mobile Payment?
„Unter Mobile Payment versteht man das Bezahlen von Dienstleistungen oder Waren per mobilem Endgerät. Die Abwicklung des Bezahlprozesses kann über klassische Zahlungsmittel, z.B. Kreditkarte oder Paypal, erfolgen oder auch über die Mobilfunkrechnung.“
BusinessVALUE24: Wofür wird Mobile Payment genutzt?
„Es wird für digitale Güter (z.B. Spiele, Applikationen), Dienstleistungen (z.B. Parkschein, Bahnticket) oder auch Waren, also einen Bezahlvorgang im Geschäft, genutzt. Aktuell wird Mobile Payment hauptsächlich für das Bezahlen digitaler Güter und Dienstleistungen genutzt.“
BusinessVALUE24: Seit Jahren wird der Durchbruch von Mobile Payment angekündigt, bis jetzt ist er in Deutschland noch nicht erfolgt, warum?
„Mobile Payment ist in Wahrheit viel größer als weithin bekannt, schließlich werden digitale Güter für das Handy bereits seit Jahren über die Mobilfunkrechnung abgerechnet. Allerdings verhindert die Preiselastizität nicht-digitaler Güter in der Regel den Wettbewerb von Mobile Payment via Mobilfunkrechnung mit einem relativ zu klassischen Bezahlverfahren hohen Disagio zu eben diesen Verfahren.
Neue Initiativen (z.B. Mpass von Vodafone und O2) bilden hier die Brücke. Bei selbigen wird das Handy als Authentifizierungs- und Authorisierungsmechanismus verwendet, und die Abrechnung erfolgt beispielsweise direkt über das hinterlegte Bankkonto.“
BusinessVALUE24: Wir haben EC- und Kreditkarten. Brauchen wir überhaupt noch ein weiteres Bezahlverfahren für unterwegs?
„Das Handy hat den großen Vorteil, dass man es immer bei sich hat. Zudem lassen sich CRM-Maßnahmen in den Verkaufsprozess integrieren, zum Beispiel den Versand von Bonuspunkten per SMS.“
BusinessVALUE24: Es gibt bisher eine Vielzahl von Ansätzen für Mobile Payment, etwa Mobile Banking, mpass, Call & pay flexible, QR-Codes mit Paypal oder auch kontaktlose Bezahlverfahren wie die Near Field Communication (NFC), die einen Datenaustausch zwischen zwei Geräten über kurze Strecken ermöglichen. Allerdings hat sich bisher noch kein allgemeiner Standard durchgesetzt, wie etwa in Österreich. Wie sehen Sie die Entwicklungen hier? Wird einer dieser Ansätze sich als Standard etablieren, oder muss eine ganz neue Lösung her?
„Im digitalen Bereich gibt es bereits gelebte Modelle mit hoher Akzeptanz (Kreditkarte z.B. im Apple App-Store oder Mobilfunkrechnung). In der Regel setzen sich die Verfahren durch, die für den Kunden den größten Vorteil bieten, sei es durch die Einfachheit des Prozesses oder das gesamte Erlebnis. Langfristig werden sich sicher, aufgrund der Einfachheit des Prozesses, Verfahren mit Near Field Communication (NFC) durchsetzen, allerdings ist hierzu eine entsprechende Kooperation der Industrie nötig, um die Technologie in alle Endgeräte zu bringen. Allein dies lässt sich nur über einen längeren Zeitraum bewerkstelligen.“
BusinessVALUE24: Wie wirkten sich die Entwicklung der Smartphones, etwa des i-Phones von Apple und immer günstigere Tarife für das mobile Internet auf die Nutzung von Mobile Payment aus?
„Die Verbreitung der Smartphones sorgt für ein wachsendes Bewusstsein für die Mehrwerte, die das Handy außer dem reinen Telefonieren bietet. Die Zahl der möglichen Anwendungen ist massiv gestiegen und somit auch die Einsatzmöglichkeiten von Mobile Payment. Dies führt zu einer wachsenden Akzeptanz von Mobile Payment, die sich nach und nach auch auf nicht-digitale Bezahlszenarien ausbreiten wird.“
BusinessVALUE24: Wie sicher ist es eigentlich, Güter über mein Handy zu bezahlen?
„Das Bezahlen via Handy ist grundsätzlich sehr sicher, da das Handy über diverse Sicherheitsmechanismen verfügt (z.B. SIM-Pin). Darüber hinaus kommen die gleichen Sicherheitsverfahren und Verschlüsselungsmechanismen wie bei Internetbezahlverfahren zur Anwendung.“



