Neu am Markt

Mit der ganzen Welt vernetzt

Mit einem Südafrikaner Mau-Mau spielen oder Live-Bilder vom Sonnenaufgang in Australien ansehen: Das mobile Netzwerk Qeep verbindet Millionen Menschen per Handy über Kontinente hinweg. Seit drei Jahren lässt das Netzwerk Grenzen verschwinden und vernetzt 4 Millionen Nutzer aus über 200 Ländern.

Täglich kommen rund 8.000 User hinzu. Das Besondere an Qeep: Man braucht nur ein Java-fähiges Handy und einen mobilen Internetzugang, und schon kann man unterwegs chatten, spielen oder Fotos veröffentlichen. Vor allem junge Leute zwischen 16 und 28 Jahren nutzen die Community. Seinen Durchbruch hatte das Netzwerk Anfang 2008 mit dem Start der englischsprachigen Version. Speziell im Vereinigten Königreich (UK) und in Südafrika ist das Netzwerk gefragt. Seit Mitte 2007 steht der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann dem Start-up als finanzkräftiger Partner zur Seite. In nur drei Jahren hat es das Unternehmen weit gebracht: Im vergangenen Jahr erhielt Qeep den international anerkannten „Red Herring 100 Europe Award“. Damit gehört das deutsche Start-Up Unternehmen zur Spitze der jungen Technologieunternehmen in Europa.

BusinessVALUE24 hat mit Qeep-Geschäftsführer und -Mitbegründer Christian Schulte über das Handy-Netzwerk gesprochen.

BusinessVALUE24: Warum haben Sie ein Netzwerk ausschließlich für Handys entwickelt?
Mal abgesehen vom iPhone oder den Highend-Smartphones, verhält sich das mobile Internet auf Massenmarkthandys anders als das Internet, das wir vom PC kennen. Der Handyscreen ist klein, der Prozessor schwach, der Speicher klein und die Batterie ein Engpass. Ferner werden die klassischen Frameworks des Internets, wie etwa Flash, kaum oder gar nicht unterstützt. Wir haben daher genau hier unsere Marktlücke und Chance gesehen. Viele Anbieter im Online-Bereich haben nur halbherzige oder gar keine Produkte für das mobile Internet. Andere Onlinegrößen, wie beispielsweise Facebook, bieten mobile Erweiterungen, die eigentlich ohne einen Online-Account nicht nutzbar sind oder keinen Spaß machen. Bei den vielen Menschen, die weder am Arbeitsplatz noch unterwegs einen PC zur Verfügung haben und auch nicht über ein Smartphone verfügen, sehen wir daher einen riesigen Markt für uns.

BusinessVALUE24: Wie kamen Sie bereits 2006 auf diese Idee, als Smartphones meist von Professionals genutzt wurden, das Apple-iPhone noch nicht existierte und auch die Preise für mobiles Internet noch recht hoch waren?

Qeep-Geschäftsführer und -Mitbegründer Christian Schulte    

Wie bereits besprochen, war unser Ansatz immer der Massenmarkt. Auch heute bieten wir weder eine iPhone-App, noch holt unser Programm das Letzte aus einem Smartphone heraus. Dafür sind wir auf mehr als 1.000 Java Handys lauffähig. Das sind auch heute noch über 80 Prozent des Marktes in der westlichen Welt und über 90 Prozent des Marktes in den Emerging Markets. 2006 war sicherlich noch ein sehr früher Zeitpunkt, insbesondere wenn man bedenkt, dass Applikationen ihren Durchbruch erst mit der Einführung des iPhones erlebt haben. Es hat sich aber bereits 2006 sehr deutlich abgezeichnet, dass mit dem mobilen Internet ein riesiger neuer Markt entstehen wird, und wir wollten dabei ganz vorne mitspielen.

BusinessVALUE24: Was kann man mit Qeep machen?
Anders als, sagen wir mal, herkömmliche Handyprodukte, ist Qeep eine Connected Application. Das heißt, sie nutzt das mobile Internet, um Menschen miteinander zu verbinden – egal wo sie sich gerade aufhalten. Innerhalb der Community präsentieren sich die Nutzer über ihr eigenes Profil, können Freunde hinzufügen und mit diesen dank multimedialer Funktionen in Kontakt bleiben. Das ist zum einen Chat und Messaging, was eine klare Grundfunktion aller Community-Produkte ist. Zum anderen gibt es bei uns die Fotoblogging-Funktion, was so etwas ist wie Twitter, nur ohne Text und dafür mit Fotos. Die Sound Attacken-Funktion ist letztendlich eine nonverbale Flirtvereinfachung, indem man Leuten, mit denen man bereits befreundet ist, kleine lustige Sound Samples schicken kann, die dann direkt auf dem Empfängerhandy abgespielt werden. Zudem können sich unsere Nutzer seit September letzten Jahres virtuelle Geschenke machen, die dann auf dem Profil des Beschenkten zu sehen sind. Die Palette reicht dabei von der romantischen Rose über einen exklusiven Diamantring bis hin zu einer lustigen Rolle Klopapier.

Ein Bereich, der in letzter Zeit sehr stark boomt, ist das Multiplayer-Gaming. Bisher ist es auf dem Mobiltelefon üblich, dass man alleine gegen die künstliche Intelligenz, das Handy, spielt. Bei Qeep liegt die Faszination darin, dass Menschen überall auf der ganzen Welt rundenbasierte Spiele gegeneinander spielen können. Wem das nicht reicht, der kann mit einem kleinen Geldeinsatz eine Partie „Mau-Mau“ oder „Vier gewinnt“ spielen und Geld gewinnen. Es macht riesig Spaß, mit Qeep gegen Menschen auf anderen Kontinenten zu spielen.

BusinessVALUE24: Was unterscheidet Ihr Netzwerk von Social Media Plattformen wie Facebook?
Anders als bei Sozialen Netzwerken, wie Facebook oder studiVZ, ist für die Nutzung unserer Community kein PC nötig. Qeep ist ausschließlich für die Nutzung auf dem Handy ausgelegt. Man braucht also weder einen Online-Account noch ein Smartphone. Ein einfaches Handymodell genügt. Viele Menschen besitzen keinen PC oder haben keinen Zugang dazu. Denken Sie nur an die Verkäuferin oder den Handwerker. Für diese Leute ist Qeep die ideale Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder neue Leute kennenzulernen.

Qeep bietet Kommunikation sowie Social Entertainment auf dem Handy bequem für unterwegs und überzeugt durch seine einfache Anwendung. Ob nun während der Pause, im Meeting oder unterwegs mit der Bahn, Qeep kann überall von jedem genutzt werden.

Den Bereich „Paid Skill Gaming“ kennen wir bereits aus dem Online-Geschäft von Anbietern wie King.com oder Gameduell. Die Möglichkeit, Skill Games ab sofort nicht mehr nur online, sondern auf dem Handy und zusätzlich mit echten Geldeinsätzen zu spielen, ist weltweit einzigartig.

BusinessVALUE24: Facebook gibt es jetzt auch mobil – wie gehen Sie mit diesem Wettbewerb um? Ist es überhaupt ein Wettbewerber, oder haben Sie unterschiedliche Zielgruppen?
Wir sehen die mobile Version von Facebook, insbesondere auf den Massenmarkt-Handys, eher als mobile Erweiterung der Online-Version von Facebook an. Ohne Online-Account macht Facebook mobile wenig Spaß, und Menschen, die im Arbeitsalltag weniger mit dem PC zu tun haben, besitzen vielfach gar keinen Facebook Account. Neben dieser generellen Einschätzung ist aber der ganz große Unterschied, dass die Gaming Apps, die bei Facebook mehr als 60 Prozent des Internettraffics ausmachen, auf der mobilen Facebook Version gar nicht funktionieren, das heißt, wer Entertainment, Spaß und echte Live-Spiele sucht, ist bei Qeep für diesen Zweck viel besser aufgehoben – selbst, wenn man mit seinen Freunden sonst über Facebook kommuniziert.

BusinessVALUE24: Social Networks werden im Internet immer stärker von Unternehmen als Marketing-Plattform entdeckt. Ist das auch bei Qeep der Fall?
Das Mobile Marketing steckt noch in den Kinderschuhen, daher haben viele Unternehmen hier auch noch keine großen Kampagnen laufen. Zusätzlich sind wir weniger ein Kommunikationstool, wie etwa Twitter oder Facebook, und daher liegt der Nutzen für Unternehmen nicht direkt auf der Hand. Marketingtechnisch ist Mobile Marketing jedoch sehr interessant, und hier bieten wir neben der klassischen Banner- oder Textlinkwerbung auch Shopping-Links oder Marketing-Kooperationen an. Sehr erfolgreich haben wir beispielsweise eine große mobile Kampagne mit dem Mobilfunkunternehmen O2 im United Kingdom durchgeführt.


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