Keine Angst vor Leerstand
Er hatte schon Schlösser, Sternwarten und Brauereien in seiner Obhut: Der Gründer des niederländischen Unternehmens Camelot Gebäude-Schutz, Joost van Gestel, schützt seit 18 Jahren leer stehende Gebäude, indem er für sie Bewohner findet.
Jetzt schickt er sich an, den deutschen Markt zu erobern. Das Prinzip ist einfach: Camelot bringt Unternehmer, die leer stehende Hallen, verwaiste Bürogebäuden oder ungenutzte Einfamilienhäuser zu vergeben haben, mit sogenannten Hauswächtern zusammen. Diese Hauswächter, meist junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren, leben in den leer stehenden Gebäuden und schützen sie vor Verfall. Sie schätzen die abenteuerliche Wohnräume und die günstige Miete. Für Unternehmer habe das Konzept vielerlei Vorteile. „Zum einen möchte eine Versicherung ihr Risiko beschränken“, sagt van Gestel. „Deshalb steht im Kleingedruckten der Versicherungspolicen häufig, dass bei einem Gebäude, das einen bestimmten Zeitraum leer steht, verschiedene Leistungen wegfallen: So sind etwa Graffittis oder Wasserrohrbrüche nicht mehr von der Police gedeckt. Wenn ein Hauswächter in dem Gebäude wohnt, werden Jugendliche dort auch keine Rave-Partys veranstalten oder Steine durch Fenster werfen. Solche Direktschäden vermeidet der Eigentümer also ebenfalls.“ Außerdem sei immer jemand im Gebäude, um Handwerkern oder Immobilienmaklern die Tür zu öffnen. Der Besitzer müsse dazu nicht jedes Mal zum Gebäude fahren. „Wir schützen Gebäude, die vom Eigentümer meist nicht mehr gebraucht werden, leer stehen, aber noch keinen Käufer gefunden haben“, sagt der 43-jährige Firmengründer. „Vor allem, wenn der Immobilienmarkt am Boden liegt, die Preise niedrig sind und es wenig Interessenten gibt, lassen Unternehmer die Hallen lieber leer stehen als sie zu verkaufen.“ Die Gebäude, die Camelot schützt sind so vielfältig wie die Architektur selbst: Von ehemaligen Flughäfen über Kasernen, Einfamilienhäuser, Schulen und Bürogebäuden bis hin zu Klöstern und Kirchen. Auch für eine Sternwarte mit Glaskuppel auf dem Dach in Liverpool hat das Unternehmen einen Hauswächter gefunden. Ebenso für ein Schloss, das das Unternehmen im Auftrag des Neffen der englischen Prinzessin Camilla vermietet hat. „Die meisten Gebäude sind aber eher einfach und renovierungsbedürftig“, sagt van Gestel. Sobald ein Interessent sein ungenutztes Gebäude in Obhut von van Gestels Hauswächtern geben möchte, erstellt der Schutz-Experte ein Angebot und plant, an welchen strategischen Punkten die Hauswächter einziehen sollen. „Und wir machen die Verträge mit den Hauswächtern“, sagt van Gestel. „Sie haben kein Mietrecht und keine Kündigungsfrist.“ Die Hauswächter seien junge Berufseinsteiger, die noch nicht viel verdienen oder Geld sparen möchten, etwa für eine Weltreise. „Wir stellen ein paar Bedingungen an sie: keine Haustiere, keine Vorstrafen, feste Arbeit, keine Kinder“, fasst der Camelot-CEO die Voraussetzungen zusammen. „Wir treffen Interessenten auch immer persönlich, um sie kennenzulernen und ihnen die Spielregeln zu erklären.“ Die permanente Besetzung mit Hauswächtern sei das Hauptgeschäft, sagt der 43-jährige Unternehmer. Manchmal ließen sich interessante Gebäude aber auch als Film- oder Fotokulissen vermieten. In der Guinness-Brauerei in London wurde beispielsweise zwei Monate lang der Film „Basic-Instinct 2“ mit Sharon Stone in der Hauptrolle gedreht. Andere Gebäude werden für Fotoshootings bereit gestellt. Wenn die Häuser sehr zentral liegen, vermietet Camelot auch Werbeflächen für Plakatwerbung auf den Gebäuden. „Das ist aber nur sehr vereinzelt“, sagt van Gestel. Die Einnahmen aus solchen Vermietungen werden mit den Besitzern der Immobilie zu gleichen Teilen geteilt. In den Niederlanden ist das Konzept bereits eine anerkannte Maßnahme. „Es ist eine billige und effektive Art und Weise Gebäude zu schützen.“ Auch außerhalb der Niederlande, etwa in London oder Brüssel, wachse die Anzahl der Interessenten. Jetzt will Joost van Gestel mit Camelot den deutschen Markt erobern. Eine Filiale ist in Deutschland noch nicht eröffnet, aber zwei Business Development Manager sind schon gefunden: Einer in Hamburg, einer in Düsseldorf. Was den Markteintritt in Deutschland betrifft, so ist van Gestel optimistisch: „Es wird für uns auch einfacher, da wir bereits in anderen Ländern mit international tätigen Unternehmen arbeiten, die auch über Gebäude in Deutschland verfügen, die wir dann für sie betreuen können.“ Er hofft darauf, dass das Geschäft in Deutschland genauso wächst wie in den Niederlanden. Weitere Informationen unter www.cameloteurope.com Foto: Cameloteurope



