Interview mit Thomas Fürst, Geschäftsstellenleiter des Heyduck Personalservice
Nach 12 Jahren in annähernd konstanter Besetzung, fast 1000 Einstellungen von Zeitarbeitskräften sowie rund 500 Vermittlungen verfügt Heyduck Personalservice über langjährige Erfahrung im Bereich der Zeitarbeit. Die Übernahmequote aus der Zeitarbeit liegt sehr hoch, zeitweise hatten rund 60 Prozent der Einsätze eine erfolgreiche Übernahme zur Folge. BusinessVALUE24 unterhält sich mit dem Branchen-Insider über Lage, Aussichten und politische Reglementierung der Leiharbeit in Deutschland.
BusinessVALUE24: In der Krise werden oft zuerst die Leiharbeiter entlassen, insgesamt 300.000 haben in den letzten Monaten ihren Job verloren. Wie haben Sie und Ihr Unternehmen darauf reagiert?
Thomas Fürst: In der Tat nutzen unsere Kunden die Zeitarbeit zum Einsatz in Spitzenzeiten und eben leider auch zum Nichteinsatz in „Hänge-Zeiten“. Das führte in früheren Zeiten tatsächlich häufig zu Entlassungen. Wir haben diesmal das erleichterte System der Kurzarbeit genutzt und wenden es noch immer an. Entlassungen, die in direktem Zusammenhang zu gestoppten Kundenaufträgen stehen, vermeiden wir in der Regel.
BusinessVALUE24: Trotzdem gibt es einen „Silberstreif am Horizont“: Seit Mai 2009 steigen die Beschäftigungszahlen der Leiharbeiter wieder. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Branche im Jahr 2010 ein?
Thomas Fürst: Wir sind relativ sicher, dass die Branche nicht zulegen wird. Der momentane Trend aus unserer Sicht: mehr direkte Vermittlungen von Spezialisten, weniger Zeitarbeitseinsatz von weniger qualifizierten Kräften.
BusinessVALUE24: Es gab in letzter Zeit viel Kritik an der deutschen Leiharbeitsbranche: Die OECD bemängelte den unzureichenden Kündigungsschutz...
Thomas Fürst: Der Kündigungsschutz entspricht den gesetzlichen Regelungen des BGB, §622 ff. Die gesetzliche Regelung ist für alle Mitarbeiter – gleich, ob in Zeitarbeitsverhältnissen oder in "normaler" Anstellung – identisch.
BusinessVALUE24: ....und in den Berichten um die Leiharbeiteraffäre der Drogeriekette Schlecker sind Diskussionen um Dumping- und Mindestlöhne neu entbrannt...
Thomas Fürst: Bin ich Schlecker? Unmögliches, negatives Beispiel! Unser Durchschnittsgehalt liegt bei über 1800 Euro brutto pro Monat. Das können sich 99 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland zum Vorbild nehmen. Mindestlöhne sind unseres Erachtens der falsche Ansatz. Der Lohn sollte sich aus dem an die Verleiher gezahlten Stundenverrechnungssatz ergeben. Zeitarbeitsunternehmen, die beispielsweise 21 Euro bekommen, – zuzüglich der Mehrwertsteuer – und nur 7 Euro bezahlen, gehören angeprangert. Kunden, die nur 14 oder 15 Euro pro Stunde bezahlen wollen oder können, führen auf der anderen Seite dazu, dass man nicht mehr an die Arbeitnehmer weitergeben kann. Solche Aufträge nehmen wir grundsätzlich nicht an.
BusinessVALUE24: ...Deshalb plant Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Zeitarbeit strenger zu reglementieren...
Thomas Fürst: Bitte nicht noch mehr Reglementierungen. Frau von der Leyen soll doch gerne mal mit Unternehmen sprechen und vor allem mit aktuellen Mitarbeitern oder mit positiv vermittelten Ex-Mitarbeitern. Bitte nicht nur mit solchen, die irgendwann mal dort beschäftigt waren, bei welchen alles schief ging und die natürlich jegliche schlechte Erfahrung auf das Zeitarbeitsunternehmen projezieren. Das ist ja so einfach! Und jeder glaubt es in der Regel, ohne zu hinterfragen.
BusinessVALUE24: ...und Unionsfraktionschef Volker Kauder ist dafür, einen Branchentarifvertrag für Zeitarbeitsfirmen einzuführen. Was halten Sie von solchen Plänen?
Thomas Fürst: Immer her damit, ein Tarifvertrag mehr schadet nicht. Wir nutzen seit Jahren Tarifverträge, zahlen allerdings deutlich übertariflich. Das finde ich ok – wenn sich mit Praktikern darüber beraten wird!
BusinessVALUE24: Politiker bezeichnen Zeitarbeit häufig als Sprungbrett aus der Arbeitslosigkeit. Wie sieht es dabei mit älteren Arbeitnehmern aus? Gilt das auch für Sie?
Thomas Fürst: Ja, das gilt auch für uns. Und zwar sehr deutlich. Für viele ältere Mitarbeiter ist das oftmals eine der letzten Möglichkeiten. Ich würde das, sollte ich arbeitslos werden, was ich nicht glaube, für mich auch nutzen, da ich mit 50 schon in der Gruppe der schwer Vermittelbaren angekommen bin.
Zur Person: Thomas Fürst ist 49 Jahre alt und Geschäftsstellenleiter des Heyduck Personalservice in Hennef (Nordrhein-Westfalen). Der Diplom-Ingenieur ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nach Stationen in der Öffentlichkeitsarbeit und als Vertriebsleiter fand er 1999 mehr zufällig und in eigener Sache Kontakt zu der Zeitarbeits- bzw. Vermittlungsbranche. Anstatt sich weiter vermitteln zu lassen, blieb er vor Ort und hat es bisher nicht bereut. Seit über 10 Jahren ist er zusammen mit der Inhaberin Frau Anja Heyduck für das Wohl der rund 60 externen Mitarbeiter verantwortlich. Die erste große Krise 2003/04 haben sie bereits überstanden, deshalb sind sie für die aktuelle gut gerüstet.



