Interaktive Videos
„Sie haben alle Möglichkeiten, können alle Inhalte interaktiv gestalten. Sie können mehrere Ebenen miteinander verbinden, Webseiten verlinken, Dokumente oder sogar Positionen einbinden, die über Geolocation zu orten sind.“ Im non-linear-Video können beliebige Multimediainhalte hinterlegt werden, gleichzeitig lassen sich auch Kommunikationskanäle wie Telefonie, Chat, Mail oder Social Media-Dienste nutzen. „Alles was im Web funktioniert kann man integrieren. Es kommt auch auf das Endgerät an.“
Eigentlich wollten die Forscher vom Fraunhofer Institut nur wissen, wie Inhalte auf verschiedenen Bildschirmen - von Fernseher bis Handy - dargestellt werden können. Aber dann entwickelten sie eine neue interaktive Technik, die die virtuelle Welt mit der realen verbindet. „Mit Non-linear Video kann man Videoinhalte interaktiv gestalten“, sagt Seeliger. „Zuschauer können direkt mit den Objekten im Video interagieren.“
Da stellt sich schnell die Frage: Wie funktioniert das? Wie kommen Informationen über das Kleid einer Moderatorin in die Sendung, die ich mir gerade ansehe? Die Antwort: Über eine spezielles, webbasiertes Tool. Damit werden im Vorfeld die Objekte markiert, die später angeklickt werden sollen. Auf einer zusätzlichen Ebene werden dann die nötigen Informationen hinterlegt.
Spezielle Kameras oder kostenintensive Technik braucht es deshalb nicht, um NLV einzusetzen. Dennoch gibt es Unterschiede zum klassischen Video-Dreh: „Die Videos werden konzeptionell anders gestaltet, um die relevanten Inhalte stärker hervorzuheben“, erklärt Seeliger. „Vorher muss man überlegen, welche Teile in den Markt getragen werden sollen.Wenn beispielsweise eine Objekt-Interaktion gewünscht ist, sollte dieses Objekt einfach länger im Bild sein, damit die Zuschauer reagieren können. Daher sollten Schnitt und Kameraführung auf NLV abgestimmt sein.“ Allerdings lassen sich non-lineare Inhalte auch nachträglich in schon fertige Videos einbauen.
Auch zum Abspielen von NLV sind keine speziellen technischen Voraussetzungen vonnöten. Das Einzige, was man braucht, ist ein spezielles, kostenloses Plug-In, ähnlich wie man es von Flash-Anwendungen kennt. Damit können die Videos auf vielen Endgeräten genutzt werden. „Wir haben die Lösung so konzipiert, dass sie auf vielen Plattformen laufen kann: PC, Mobiltelefon, Smartphone oder internetfähigen TV-Geräten“, sagt Seeliger.
Einsatzgebiete für die neue Technik gibt es viele: Das beginnt beim klassischen „In-Video-Shopping“ – bei dem Produkte, präsentiert werden und gleich gekauft werden können – und reicht bis zum Tourismus Video, das einen dank passender GPS Koordinaten direkt zur nächsten Sehenswürdigkeit lotst. Auch für E-Learning, Imagefilme, Produktpräsentationen oder klassische TV-Formate lässt sich das Tool einsetzen. „Alles ist denkbar“, sagt Seeliger. „Es ist für jeden interessant, der über interaktives Videomaterial kommunizieren möchte.“
Die Informationen müssen nur einmal eingefügt werden, dann suchen die Endgeräte selbständig und intelligent aus, was sie darstellen können und welche Funktionen sinnvoll sind. Ein Fernseher hätte etwa keine Möglichkeit, eine Verbindung zu einer Telefonnummer aufzubauen. Deshalb werde diese Möglichkeit auch gar nicht erst angeboten. „NLV funktioniert auch auf Tablets wie dem iPad. Hier ist die Bedienung sehr intuitiv, da man mit dem Finger die einzelnen Objekte anwählen kann“, sagt Seeliger.
Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin wurde die neue Technik von den Fraunhofer-Forschern bereits vorgestellt. Innerhalb der nächsten 12 Monate wollen Seeliger und seine Kollegen das Produkt zur Marktreife bringen. Vielleicht kann dann bald jeder die Jacke von James Bond kaufen noch während der Film läuft.
Robert Seeliger ist Projektleiter „Future Applikation und Media“ am Fraunhofer Institut FOKUS.Weitere Informationen: www.fokus.fraunhofer.de
Fotos: Fraunhofer FOKUS






