Crowdsourcing

Crowdfunding: Wie der Schwarm Geld sammelt

Pling macht es, wenn Geld in den Klingelbeutel fällt. Ein Geräusch, dass man sofort mit einer wohltätigen Spende verbindet.

pling* heißt auch eine junge deutsche Crowdfunding-Plattform, auf der Künstler und Kreative ihre Projekte vorstellen und Geld für deren Umsetzung einsammeln.

Crowdfunding setzt sich zusammen aus den Worten „Menge“ (crowd) und „Aufbringen von Mitteln“ (funding). „Die beste Eindeutschung, die ich kenne, ist Schwarmfinanzierung“, sagt pling.de-Gründer David Paul Heberling. Beim Crowdfunding unterstützen viele Menschen gemeinsam mit kleinen Geldbeträgen eine Idee. Dabei kommen teilweise riesige Summen zusammen. Ein Beispiel ist das Projekt diaspora. Die Entwickler wollen ein Open-Source Netzwerk programmieren, das Daten nicht zentral speichert und sammelt - als Alternative zu dem sozialen Netzwerk Facebook, das immer öfter von Datenschützern kritisiert wird. Die Gründer von diaspora wollten über die Crowdfunding-Plattform kickstarter 10.000 US-Dollar sammeln. Am Ende spendete ihnen die Community mehr als 200.000 US-Dollar. Selbst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg unterstützte das Projekt.

„Crowdfunding kann sich für kreative Projekte zu einer Alternative von Bankkrediten entwickeln“, prognostiziert Heberling. In den USA sei es für die Menschen ganz selbstverständlich, Kunst- und Kulturprojekte zu unterstützen. „Die Grundidee, die eigentlich dahintersteckt, ist die gleiche wie beim sogenannten „bake sale“: Pfadfinderkinder verkaufen Cookies, um Spenden für gemeinnützige Projekte zu sammeln“, erklärt Heberling.

In Deutschland sieht das anders aus: Hier habe sich eine staatliche Form der Kulturförderung entwickelt. Zwar unterstützen viele Organisationen Kunstprojekte. Aber der Nachteil sei, dass ein Großteil der Vorhaben im kreativen Bereich nicht gefördert werde, so Heberling: „Besonders kleine Projekte werden von Banken und der Kulturförderung selten unterstützt.“

Mit Crowdfunding könne das Manko der hiesigen Kulturförderung ausgeglichen und mehr Klein- und Kleinstprojekte gefördert werden, findet der 29-jährige pling*-Chef. „Menschen sollen die Chance haben, ihre Wünsche und Träume umzusetzen“. Deshalb landen auf *pling auch keine „Blockbuster Themen“, wie Heberling sie nennt, sondern kleinere Vorhaben. Vor einigen Jahren waren er und sein ehemaliger Studienkollegen David Holetzeck in einer ganz ähnlichen Situation. „Wir hatten eine Idee für eine Webserie, aber uns fehlten die finanziellen Mittel zur Umsetzung“, sagt Heberling. „Damals überlegten wir uns, dass es eine unkomplizierte Möglichkeit geben müsse, kreative Projekte zu finanzieren.“


Aus diesem Gedanken heraus haben beide pling* entwickelt. pling* sei allerdings kein klassisches Spendenportal, wie etwa betterplace.org, erklärt Heberling das Konzept. „Die Leute kaufen kreative Vergütungswerte.“ Das bedeutet, dass jeder, der sich finanziell an einem Projekt beteiligt, auch immer etwas zurückerhält. „Die Möglichkeiten sind hier unbegrenzt“, sagt Heberling. „Wenn jemand beispielsweise einen Film drehen will, könnte er eine Nebenrolle verkaufen.“ Daraus ergebe sich auch eine zusätzliche Chance für die Projektgründer: Sie können die Community an ihrer Idee und der Umsetzung teilhaben lassen. Das ist der Kernantrieb des Web 2.0.

Obwohl die Crowdfunding-Seite erst seit vergangenem Jahr online ist, können Heberling und Holetzeck schon eine Erfolgsstory vorweisen: Mit dem Videospiel „Saber Rider und die Starsheriffs“ hat die Plattform den deutschen Crowdfunding-Rekord gebrochen. Nach zehn Tagen hat die Community mehr als 10.000 Euro gesponsored, um das Spiel zu produzieren. Am Ende der Crowdfunding-Aktion auf pling.de kamen sogar 15.490 Euro zusammen. Die Idee des Games basiert auf einer gleichnamigen japanischen Anime-Serie. Chriss Strauss hatte sich die Lizenz-Rechte für das Computerspiel gesichert, aber alle Verleger hatten eine Finanzierung abgelehnt. „Es ist die klassische Underdog-Geschichte“, sagt Heberling. „Jetzt sind große Publisher auf ihn zugekommen“

Weil kreative Projekte meist scheitern, wenn nur ein Teil des benötigten Geldes aufgetrieben werden kann, gilt bei pling* das „Alles oder Nichts“-Prinzip. „Wenn Sie beispielsweise 1.000 Euro brauchen, um ein Tonstudio zu mieten und eine Platte aufzunehmen, reicht es nicht, wenn Sie nur 500 Euro haben", erklärt der Jungunternehmer das Vorgehen. „Deshalb muss jedes Projekt in dem vorher festgelegten Zeitrahmen die benötigte Summe erreichen.“ Geschieht das nicht, behalten die Unterstützer ihr Geld. Dafür haben die pling*-Erfinder zusammen mit paypal ein eigenes Bezahlmodell entwickelt. Während ein Projekt läuft, teilen Unterstützer lediglich mit, dass sie das Vorhaben mit einer bestimmten Summe unterstützen möchten. „Die Unterstützer können jederzeit ihren Beitrag erhöhen oder zurückziehen.“ Ist das Projekt abgelaufen und es konnte nicht genügend Geld gesammelt werden, muss keiner etwas bezahlen.

Crowdfunding ist mittlerweile mehr als nur der letzte Strohhalm für kleine kreative und soziale Projekte, die keiner finanzieren will. Immer mehr etablierte Musiker und Filmemacher versuchen, über die Schwarmfinanzierung Geld für ihre Produktionen zu sammeln. So hat die bekannte amerikanische Rap-Band Public Enemy über die Plattform Sellaband fast 60.000 Euro für die Produktion einer neuen Platte eingesammelt. Auch der deutsche Filmemacher Sergej Moya will die Spendenbereitschaft der Community nutzen: Er versucht, über Crowdfunding seinen Erotik-Film „Hotel Desire“ zu finanzieren. Bis Mitte August sollen 170.000 Euro zusammenkommen.

Heberling will aber mehr als nur eine Plattform für Crowdfunding zur Verfügung stellen. „Unser Ziel ist es, Crowdfunding in Deutschland bekannt zu machen.“ Und er ist optimistisch, dass sich das Prinzip der Schwarmfinanzierung auch jenseits der USA etablieren wird. „Unsere Prognose ist, dass Crowdfunding auch ein wichtiges Thema in Deutschland werden wird. Ich denke dabei immer an eine Lokomotive: Sie beginnt mit einem langsamen Start, aber wenn sie einmal in Fahrt ist, ist sie nicht mehr aufzuhalten.“


Ein Kommentar zu: “Crowdfunding: Wie der Schwarm Geld sammelt”

  1. Rene Klein sagt:

    Hallo!
    Crowd funding ist nicht nur ein Modethema, sondern verzeichnet in Deutschland auch beachtliches Wachstum.

    Bis zum 31.07.2011 konnten über die 5 deutschen Crowd funding Plattformen etwa 250.000 € eingesammelt werden. Für-Gründer.de rechnet mit 550.000 € für das Gesamtjahr 2011.

    Mehr Daten und Fakten gibt es im Crowd funding-Monitor auf
    http://www.fuer-gruender.de/kapital/eigenkapital/crowd-funding/monitor/

    Beste Grüße

    René Klein

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